Rettungstools beim Bondage – Sicherheit beim Fesseln mit Seil

Beim Fesseln geht es normalerweise darum, Knoten sauber zu setzen und Seile später kontrolliert wieder zu lösen. Trotzdem kann es Situationen geben, in denen dafür keine Zeit mehr bleibt. Dann muss ein Seil schnell durchtrennt werden können.

Ein geeignetes Rettungstool gehört deshalb für uns zur Grundausstattung beim Bondage – ganz unabhängig davon, ob mit Jute, Leinenhanf oder einem synthetischen Seil gearbeitet wird. Auch beim Shibari ist es sinnvoll, ein geeignetes Werkzeug griffbereit zu haben.

Im besten Fall wird es nie gebraucht. Aber wenn doch, sollte es schnell erreichbar sein und zuverlässig funktionieren.

Was macht ein gutes Rettungstool aus?

Für unseren Zweck sollte ein Rettungswerkzeug vor allem eines können:

Ein Seil schnell und kontrolliert durchtrennen, ohne die Person im Seil unnötig zu gefährden.

Besonders sinnvoll sind Werkzeuge, bei denen die Schneide geschützt ist oder die keine frei zugängliche Spitze besitzen. Ein gutes Rettungstool sollte:

  • ausreichend scharf für die verwendeten Seile sein,
  • sich sicher und kontrolliert führen lassen,
  • möglichst keine offene Spitze oder frei zugängliche Klinge besitzen,
  • wenig Platz zum Ansetzen benötigen,
  • gut in der Hand liegen und
  • jederzeit schnell erreichbar sein.

Dabei muss es kein exotisches Spezialwerkzeug sein. Entscheidend ist, dass es für genau diesen Zweck geeignet ist.

Welche Werkzeuge sind geeignet?

Bewährt haben sich vor allem Rettungs- und Verbandsscheren, geschützte Seilschneider sowie entsprechend konstruierte Rettungsmesser. Entscheidend ist weniger der Name des Werkzeugs als seine Bauweise und ob es mit dem tatsächlich verwendeten Bondageseil zuverlässig funktioniert.

WerkzeugWorauf es ankommt
Rettungs- oder VerbandsschereAbgerundete Bauweise und ausreichende Schneidleistung am tatsächlich verwendeten Seil.
Geschützter SeilschneiderInnenliegende Klinge und eine Führung, in die das verwendete Seil passt.
RettungsmesserEine für die Nähe zum Körper geeignete Konstruktion; die Bezeichnung allein reicht nicht.

Rettungs- und Verbandsscheren

Eine gute Rettungsschere kann eine sehr sinnvolle Lösung sein. Typisch ist eine abgerundete oder speziell geformte Spitze, sodass sie auch in unmittelbarer Nähe zum Körper eingesetzt werden kann.

Hochwertige Modelle können neben Kleidung und Gurten auch kräftigere Seile durchtrennen. Nicht jede kleine Verbandsschere aus einem günstigen Erste-Hilfe-Set schafft jedoch ein festes Natur- oder Polyesterseil problemlos. Deshalb sollte man die eigene Schere vorher mit dem tatsächlich verwendeten Seil testen.

Geschützte Seilschneider

Eine besonders interessante Lösung sind kompakte Seilschneider mit innenliegender beziehungsweise geschützter Klinge. Das Seil wird in eine Führung gezogen und dort durchtrennt. Die eigentliche Schneide bleibt dabei weitgehend vom Körper abgeschirmt.

Solche Werkzeuge benötigen wenig Platz und können deshalb auch dann praktisch sein, wenn ein Seil relativ eng am Körper liegt. Ähnliche Konstruktionen kennt man beispielsweise von Gurt- und Sicherheitsgurtschneidern aus dem Rettungsbereich.

Rettungsmesser und Notfallmesser

Auch Rettungsmesser beziehungsweise Notfallmesser können geeignet sein. Wichtig ist allerdings, dass sie für Arbeiten in unmittelbarer Nähe zum Körper konstruiert sind.

Sinnvoll sind beispielsweise Modelle mit geschützter Schneide, abgerundeter Spitze oder einer Bauform, bei der eine offene Klinge möglichst wenig mit der Haut in Kontakt kommen kann. Ein klassisches Taschen- oder Outdoor-Messer ist deshalb nicht automatisch ein gutes Rettungswerkzeug.

Je näher ein Werkzeug am Körper eingesetzt werden muss, desto wichtiger werden eine geschützte Schneide und eine sichere Bauform.

Warum wir geschützte Seilschneider besonders praktisch finden

Bei einem geschützten Seilschneider liegt die Schneide im Inneren des Werkzeugs. Dadurch muss keine offene Klinge zwischen Haut und Seil geführt werden. Das Werkzeug wird am Seil angesetzt und durch eine Zugbewegung geführt. Mit einem geeigneten Seilschneider funktioniert dieses Prinzip bei Natur- und Polyesterseilen sehr zuverlässig. Für den Einsatz beim Fesseln hat diese Bauform einige praktische Vorteile:
  • kompakte Bauform,
  • keine frei herausstehende Messerspitze,
  • geschützte Klinge,
  • wenig Platz zum Ansetzen notwendig und
  • gute Schneidleistung bei geeigneten Seilen.
Auch hier gilt natürlich: Die Bauform unterstützt die Sicherheit, ersetzt aber nicht den sicheren Umgang mit dem Werkzeug.

Warum normale Messer, Cutter und Haushaltsscheren nicht unsere erste Wahl sind

Haushaltsschere

Eine Haushaltsschere kann natürlich schneiden. Viele Modelle sind jedoch für Papier, Stoff oder leichte Materialien gedacht und kommen bei mehreren Lagen eines festen Seils schnell an ihre Grenzen. Dazu kommen häufig spitze Scherenenden.

Wenn ein Seil eng am Körper liegt, ist eine kräftige Rettungsschere mit abgerundeter Spitze deshalb meist die sinnvollere Lösung.

Küchenmesser

Ein gutes Küchenmesser kann ein Seil problemlos durchschneiden. Das Problem ist die vollständig offene Klinge. Liegt das Seil direkt am Körper, bewegt es sich oder steht es unter Spannung, entsteht dadurch ein unnötiges zusätzliches Risiko.

Für das Schneidebrett hervorragend. Zwischen Haut und Bondageseil eher nicht. 🙂

Klassisches Cuttermesser

Auch ein normales Cuttermesser ist sehr scharf und kann Seile durchtrennen. Die offen liegende Klinge bietet jedoch keinen Schutz zum Körper. Typische Abbrechklingen können außerdem bei ungünstiger Belastung beschädigt werden oder brechen.

Für Kartons und Werkstattarbeiten praktisch – als Rettungstool beim Fesseln gibt es deutlich besser geeignete Lösungen.

Vorher testen – nicht erst im Notfall

Ein Rettungstool zu kaufen und anschließend ungeprüft in eine Schublade zu legen, reicht nicht. Man sollte wissen, wie es funktioniert.

Am besten nimmt man ein altes Stück von genau dem Seil, das normalerweise verwendet wird, und probiert das Werkzeug einmal aus:

  • Wie viel Kraft brauche ich?
  • Wie muss ich das Seil in den Seilschneider führen?
  • Schafft die Schere auch mehrere Seillagen?
  • Kann ich das Werkzeug sicher bedienen?

Solche Dinge möchte man lieber vorher herausfinden und nicht erst dann, wenn tatsächlich etwas schiefläuft.

Ein Rettungstool gehört in Reichweite

Auch das beste Rettungsmesser hilft wenig, wenn es irgendwo im Haus in einer Schublade liegt.

Vor dem Fesseln sollte deshalb klar sein:

Wo befindet sich das Rettungstool?

Es sollte schnell erreichbar sein und nicht unter Taschen, Seilen oder anderem Zubehör verschwinden. Eine einfache Gewohnheit hilft: Seile bereitgelegt – Rettungstool ebenfalls bereitgelegt.

Bei belasteten Seilen besonders vorsichtig

Ein Rettungstool bedeutet nicht, dass man im Notfall wahllos irgendein Seil durchschneiden sollte. Das gilt insbesondere bei Suspensionen.

Wird eine belastete Linie plötzlich durchtrennt, kann sich die gesamte Fesselung verändern und die gefesselte Person unkontrolliert absinken oder stürzen.

Wer mit Suspensionen arbeitet, sollte deshalb nicht nur wissen, wie eine Person sicher nach oben gebracht wird, sondern auch, wie sie schnell und kontrolliert wieder herunterkommt.

Ein Rettungstool ist eine zusätzliche Sicherheitsmöglichkeit – kein Ersatz für Wissen, Aufmerksamkeit und einen durchdachten Notfallplan.

Welche Rettungstools bieten wir an?

Bei Bavarian Bondage bieten wir eine geeignete Schere, einen Rope Cutter und ein Rettungsmesser an. Unsere persönliche Empfehlung ist der Rope Cutter: Die kompakte Bauform und die innenliegende, geschützte Klinge sind für uns im Umgang mit Seilen besonders praktisch.

„Rope Cutter“ ist keine festgelegte Bezeichnung speziell für Bondage. Entscheidend bleiben die konkrete Bauweise, die Schneidleistung am verwendeten Seil und der geübte Umgang damit. Eine geeignete Rettungsschere oder ein entsprechend konstruiertes Rettungsmesser können ebenfalls passen.

Wählt ein Werkzeug, mit dem ihr sicher umgehen könnt, testet es vorab an einem alten, nicht am Körper verwendeten Seilstück und legt es vor jeder Session griffbereit. Hoffentlich braucht ihr es nie – aber für diesen Moment sollte es da sein.

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