Wann muss ein Bondageseil ersetzt werden?

Verschleiß bei Jute, Leinenhanfseilen aus Flachs und POSH-Rope erkennen.

Ein Bondageseil hat kein festes Ablaufdatum. Entscheidend sind sein tatsächlicher Zustand, die Beanspruchung und der vorgesehene Einsatz. Fusseln allein sagen wenig darüber aus, ob die Seilstruktur beschädigt ist.

Darauf solltest du bei der Kontrolle achten:

  • Neue dünne Stellen, starken Abrieb oder sichtbaren Materialverlust.
  • Beschädigte Garne, geöffnete Litzen oder auffällige Veränderungen der Struktur.
  • Bei POSH-Rope zusätzlich verhärtete oder angeschmolzene Bereiche.
  • Besonders häufig beanspruchte Stellen wie die Seilmitte.

Ein Seil mit deutlich beschädigten Garnen, Materialverlust oder Wärmeschäden darf nicht weiter als Trageseil verwendet werden. Die folgenden Abschnitte erklären die Unterschiede zwischen Gebrauchsspuren und Schäden.

Fusseln gehören bei Naturseilen dazu

Bei Naturseilen ist Fusseln vollkommen normal. Jute und Leinenhanf verhalten sich dabei etwas unterschiedlich.

Bei Jute stehen durch Reibung und Bewegung Fasern ab. Diese sind relativ spröde und brechen mit der Zeit eher weg. Gerade neue Juteseile können deshalb anfangs deutlich fusseln.

Bei Leinenhanf bleiben die abstehenden Fasern eher erhalten und legen sich mit zunehmender Benutzung um das Seil. Dadurch entsteht mit der Zeit eine Art weicher Fasermantel um die eigentliche Seilstruktur.

Ein älteres Leinenhanfseil kann deshalb deutlich flauschiger aussehen als ein neues, ohne beschädigt zu sein.

Ein paar abstehende Fasern sind also noch kein Grund zur Sorge.

Das Seil durch die Hände laufen lassen

Eine komplizierte Prüfung ist im Alltag nicht notwendig.

Lasst eure Seile regelmäßig durch die Hände laufen und schaut sie dabei an. Wer häufig mit denselben Seilen arbeitet, kennt deren kleine Eigenheiten meist ziemlich schnell.

Produktionsbedingte Verbindungsknoten im Garn, kleine Verdickungen, Schlaufen, einzelne lose Garnfäden oder leichte Schwankungen im Durchmesser können bereits von Anfang an vorhanden sein.

Interessanter sind Veränderungen, die neu hinzugekommen sind.

Wird eine Stelle deutlich dünner? Sind mehrere Garne sichtbar beschädigt? Öffnet sich eine Litze ungewöhnlich weit oder fehlt sichtbar Material?

Dann sollte man genauer hinschauen.

Besonders auf die Seilmitte achten

Eine Stelle wird bei vielen Fesselungen besonders häufig beansprucht: die Mitte des Seils.

Hier wird das Seil immer wieder gelegt, gefaltet, geführt und verdreht. Deshalb zeigen sich stärkere Gebrauchsspuren nicht selten zuerst rund um den Mittelpunkt.

Ist die Seilstruktur dort noch in Ordnung, die Mitte aber bereits deutlich stärker eingearbeitet als der Rest, kann man die Belastung künftig etwas verteilen.

Eine einfache Möglichkeit ist, das Seil an einem Ende um 20 Zentimeter oder mehr zu kürzen.

Dadurch entsteht ein neuer Mittelpunkt und bei den folgenden Fesselungen wird nicht immer wieder exakt dieselbe Stelle beansprucht.

Bei häufig genutzten Seilen kann man diesen Mittelpunkt im Laufe der Zeit auch noch einmal verschieben.

Eine tatsächlich beschädigte Stelle wird dadurch natürlich nicht repariert. Sind Garne oder Litzen bereits deutlich geschädigt, muss die betreffende Stelle anders beurteilt und gegebenenfalls herausgeschnitten werden.

Gebrauchsspuren oder echter Schaden?

Ein weiches, fusseliges und gut eingearbeitetes Naturseil kann noch lange ein vollkommen gutes Bondageseil sein.

Kritischer wird es, wenn nicht mehr nur die oberflächlichen Fasern betroffen sind, sondern Garne oder Litzen selbst.

Dazu gehören beispielsweise deutlich durchgescheuerte Bereiche, beschädigte Garne, starker Materialverlust oder eine örtlich stark veränderte Seilstruktur.

Nicht jede Scheuerstelle bedeutet deshalb automatisch:

Seil weg.

Entscheidend ist das Ausmaß.

Aus einem langen Seil kann ein kürzeres werden

Ist eine Beschädigung klar auf einen kleinen Bereich begrenzt, kann die betreffende Stelle großzügig herausgeschnitten werden.

Aus einem 8-Meter-Seil wird dann vielleicht ein kürzeres Seil, das weiterhin sinnvoll verwendet werden kann.

Danach sollte allerdings neu entschieden werden, wofür das verbleibende Seil noch eingesetzt wird.

Gerade bei Trageseilen für Suspensionen würden wir deutlich strengere Maßstäbe anlegen.

Und was ist mit POSH-Rope?

Unser POSH-Rope besteht aus Polyester und verhält sich beim Verschleiß anders als ein Naturseil.

Auch POSH wird durch regelmäßige Benutzung etwas weicher und geschmeidiger. Das ist zunächst kein Problem.

Besonders wichtig ist bei Polyester allerdings die Reibungswärme.

Starke Seil-auf-Seil-Reibung kann Wärme erzeugen und die Kunststofffasern beschädigen. Deshalb sollte gerade bei Suspensionen eine direkte Reibung von POSH-Rope auf POSH-Rope vermieden werden.

Bei Umlenkungen verwenden wir deshalb einen geeigneten Karabiner zwischen den Seilen. So läuft das Seil über Metall und nicht direkt über ein anderes Seil.

Bei POSH sollte man besonders auf deutlichen Abrieb sowie verhärtete, angeschmolzene oder anderweitig durch Wärme veränderte Stellen achten.

Ein POSH-Rope mit erkennbarem Abrieb oder Schmelzschäden würden wir nicht mehr für Suspensionen verwenden.

Auch bei einem Polyesterseil kann übrigens einmal ein kleiner Knoten innerhalb des Garns vorkommen. Solche Verbindungsstellen können bereits während der Garnherstellung oder beim Aufspulen entstehen, wenn ein Garn verlängert werden musste.

Ein solcher kleiner Garnknoten ist deshalb nicht automatisch ein Verschleißschaden.

Wie bei unseren Naturseilen ist auch hier wichtig zu unterscheiden:

War diese Stelle schon immer da – oder ist durch die Benutzung tatsächlich eine Beschädigung entstanden?

Bei Suspensionen lieber genauer hinschauen

Bei einem Seil, das Körpergewicht tragen soll, sollten keine Zweifel an seinem Zustand bestehen.

Das gilt sowohl für Naturseile als auch für POSH-Rope.

Sind Garne deutlich beschädigt, fehlt sichtbar Material oder weist ein Polyesterseil Abrieb beziehungsweise Wärmeschäden auf, sollte dieses Seil nicht mehr als Trageseil verwendet werden.

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass es sofort entsorgt werden muss.

Ein Naturseil kann beispielsweise gekürzt und anschließend noch für andere Fesselungen verwendet werden.

Entscheidend ist, dass der weitere Einsatz zum Zustand des Seils passt.

Ein Bondageseil hat kein festes Ablaufdatum

Man kann nicht pauschal sagen:

Nach einem Jahr muss ein Seil ausgetauscht werden.

Ebenso wenig gibt es eine feste Anzahl an Fesselungen, nach der automatisch Schluss ist.

Ein intensiv verwendetes Seil kann schneller verschleißen als eines, das nur gelegentlich benutzt wird. Belastung, Reibung, Lagerung und Pflege spielen ebenfalls eine Rolle.

Deshalb ist der tatsächliche Zustand wichtiger als das Alter.

Gerade ein gut eingearbeitetes Jute- oder Leinenhanfseil kann mit der Zeit sogar besonders angenehm werden.

Es darf weicher werden, fusseln und anders aussehen als am ersten Tag.

Gebrauchsspuren und Verschleiß sind nicht dasselbe.

Und damit lässt sich der ganze Beitrag eigentlich recht einfach zusammenfassen:

Nicht das Alter und nicht ein paar Fusseln entscheiden über ein Bondageseil – entscheidend ist der Zustand seiner eigentlichen Seilstruktur.

Ergänzend helfen dir unsere Tipps zum Reinigen, Pflegen und Lagern. Woher Garnknoten und andere produktionsbedingte Stellen stammen, erklärt Vom Rohseil zum fesselfertigen Seil. Informationen zum passenden Zubehör findest du unter Karabiner, Ringe und Swivel.