Pflegetipps für deine Seile
Die richtige Seilpflege hängt vom Material ab: Jute möglichst oberflächlich reinigen, Leinenhanfseile schonend behandeln und POSH-Rope ohne Öl oder Wachs pflegen. Alle Seile vor dem Einlagern vollständig trocknen lassen und regelmäßig auf Veränderungen prüfen.
| Material | Reinigung und Pflege |
|---|---|
| Jute | Möglichst nur oberflächlich reinigen; geeignetes Pflegemittel bei Bedarf sparsam verwenden. |
| Leinenhanf (Flachs) | Leichte Verschmutzung mit einem feuchten Tuch entfernen; vollständiges Waschen ist keine Routinepflege. |
| POSH-Rope (Polyester) | Bei Bedarf schonende Handwäsche; kein Öl, kein Wachs und nicht abflämmen. |
Die Einzelheiten und Grenzen der Reinigung findest du weiter unten. Bei Schäden hilft dir unser Ratgeber Wann muss ein Bondageseil ersetzt werden?
Dieser Text ist bewusst mit einem Augenzwinkern geschrieben. Die Pflegetipps sind ernst gemeint – die Sprüche dazwischen meistens eher nicht. 😉
Wie sich ein Naturseil durch Benutzung verändert
Unser Leinenhanfseil besteht aus Flachsfasern. Es ist kein Seil aus echtem Hanf. Die Unterschiede zu Jute erklärt der Materialvergleich.
Unsere Seile kommen bereits vorbereitet und veredelt zu dir. Sie sind weich beziehungsweise werden es sehr schnell, liegen angenehm in der Hand und können direkt verwendet werden. Trotzdem entwickelt sich ein Naturseil mit der Zeit immer weiter. Durch die Benutzung wird es geschmeidiger, läuft schöner durch die Hände und bekommt seinen ganz eigenen Charakter.
Ich sage deshalb gerne:
Ein Bondage-Seil entsteht Schritt für Schritt.
Erst in der Seilerei, dann beim Veredeln – und zum Schluss liegt es an dir.
Durch Bewegung, Reibung und den ganz normalen Gebrauch verändert sich dein Seil. Du lernst mit der Zeit genau, wie es läuft, wie es sich verhält und wie es sich in deinen Händen anfühlt.
Irgendwann ist es nicht mehr einfach ein Seil.
Es ist dein Seil.
Und nein – du musst ihm trotzdem keinen Namen geben. Aber wenn du möchtest, halte ich dich natürlich nicht davon ab. 😉
Nach der Session – ein bisschen Aufmerksamkeit reicht schon
Du musst deine Seile nach jeder Verwendung nicht stundenlang pflegen. Ein bisschen Aufmerksamkeit schadet ihnen aber definitiv nicht.
Ich empfehle, das Seil nach einer Session einmal locker durch die Hände gleiten zu lassen. So kann es sich etwas entspannen und gleichzeitig merkst du sehr schnell, wenn sich etwas verändert hat.
Fühlt sich eine Stelle anders an? Gibt es stärkeren Abrieb? Haben sich einzelne Fasern gelöst? Sitzen die Endknoten noch so, wie sie sollen?
Gerade bei Naturseilen ist das Gefühl in den Händen oft genauso wichtig wie der Blick.
Auch stärkeren Drall solltest du nicht dauerhaft im Seil lassen. Lass es ein paar Mal locker durch die Hände laufen. Wenn nötig, kannst du es auch einmal etwas eindrehen und anschließend wieder sauber ausdrehen.
Das dauert nicht lange und meistens ist damit schon ein großer Teil der normalen Pflege erledigt.
Ist das Seil nach einer intensiveren Session etwas feucht geworden, solltest du es vor dem Einlagern vollständig trocknen lassen.
Ein feuchtes Naturseil direkt in eine geschlossene Tasche zu packen ist ungefähr so clever wie nasse Wanderschuhe in eine Plastiktüte zu stecken und sie eine Woche später wiederzufinden.
Kann man machen. Muss man aber wirklich nicht. 😉
Öl und Wachs – weniger ist meistens mehr
Mit zunehmender Nutzung kann ein Naturseil trockener werden. Dann kann eine kleine Menge eines geeigneten Pflegeöls oder Wachses helfen, die Fasern geschmeidig zu halten und das Laufverhalten des Seils zu verbessern.
Das bedeutet aber nicht, dass dein Seil ständig geölt werden muss.
Ein gutes Seil soll sich wie ein Seil anfühlen – und nicht wie ein eingelegter Salat. 😉
Beim Öl gilt deshalb ganz klar: Weniger ist mehr.
Gib einfach ein paar Tropfen Pflegeöl auf ein fusselfreies Tuch und ziehe das Seil langsam hindurch. Dadurch verteilt sich das Öl gleichmäßig und einzelne Stellen bekommen nicht unnötig viel davon ab.
Danach lässt du das Pflegemittel etwas einziehen und ziehst das Seil noch einmal durch ein sauberes Tuch, um überschüssiges Öl zu entfernen.
Wenn dein Seil anschließend glänzt wie eine frisch polierte Bratpfanne, war es wahrscheinlich etwas zu viel. 😉
Danach darf das Seil ruhig etwas liegen. Ich lasse gepflegte Naturseile gerne ein bis mehrere Tage ruhen, damit sich das Pflegemittel gleichmäßig verteilen und einziehen kann.
Und wie verwende ich die Rope Care Cream?
Bei der Rope Care Cream funktioniert die Anwendung etwas anders.
Nimm ungefähr eine kleine haselnussgroße Portion und verteile sie zuerst zwischen deinen Händen. Durch die Wärme der Hände wird die Cream weicher und lässt sich anschließend sehr gleichmäßig ins Seil einarbeiten.
Danach das Seil langsam durch die Hände laufen lassen und die Cream dabei Stück für Stück ins Seil einmassieren.
Du brauchst auch hier keine großen Mengen. Eine dünne und gleichmäßige Pflege ist völlig ausreichend.
Aber nicht zu intensiv massieren – sonst gefällt es ihm am Ende noch. 😉
Anschließend solltest du dem Seil ebenfalls etwas Zeit geben, damit sich die Pflege gleichmäßig verteilen kann.
Welches Öl oder Wachs nehme ich?
Über diese Frage könnte man vermutlich genauso lange diskutieren wie darüber, welches Bondage-Seil das beste ist. 😉
Man liest von Jojobaöl, Kamelienöl, Bienenwachs, Beerenwachs, Carnaubawachs, Babyöl, Waffenöl, Sattelöl und einigen anderen Möglichkeiten.
Ich möchte hier gar nicht behaupten, dass es nur eine einzige richtige Lösung gibt. Meine Empfehlung sind geeignete natürliche Pflegeöle und Wachse, die sparsam und gleichmäßig aufgetragen werden können.
Genau aus diesem Grund gibt es bei uns auch unser Rope Care Oil und unsere Rope Care Cream – beide Varianten gibt es auch vegan.
Das Rope Care Oil empfehlen wir besonders für Leinenhanfseile. Die Rope Care Cream besitzt einen höheren Wachsanteil und ist besonders für Juteseile zu empfehlen.
Und falls du dich schon immer gefragt hast, was du heute noch lernen könntest:
Jojobaöl heißt zwar Öl, chemisch betrachtet handelt es sich dabei aber eigentlich um ein flüssiges Wachs.
Wieder was gelernt. 😉
Von normalen Speiseölen würde ich dagegen die Finger lassen. Olivenöl, Sonnenblumenöl und ähnliche Öle können mit der Zeit oxidieren beziehungsweise ranzig werden.
Und so schön gutes Essen auch ist:
Dein Bondage-Seil sollte nicht nach der Küche vom letzten Sonntag riechen. 😉
Unsere Pflegeprodukte für Bondageseile findest du mit den jeweiligen Anwendungshinweisen im Shop.
Wenn das Seil schmutzig wird
Natürlich gibt es dafür eine ganz einfache Lösung:
Kauf dir sofort ein neues bei mir. 😊
Okay … vielleicht müssen wir nicht gleich so drastisch werden. 😉
Früher oder später passiert es einfach. Ein Seil bekommt einen Fleck, landet auf dem Boden oder sieht irgendwann nicht mehr ganz so frisch aus wie am ersten Tag.
Bei Naturseilen gilt für mich grundsätzlich:
So viel Reinigung wie nötig – aber so wenig wie möglich.
Leichte Verschmutzungen lassen sich meistens gut mit einem feuchten Tuch und gegebenenfalls etwas milder Seifenlösung entfernen.
Wichtig ist dabei allerdings, welches Material du vor dir hast.
Jute und Wasser sind keine besonders guten Freunde.
Juteseile sollten möglichst nicht vollständig durchnässt oder gewaschen werden. Zu viel Wasser kann die Fasern beeinträchtigen und die Eigenschaften des Seils verändern. Deshalb empfehle ich, Jute möglichst nur oberflächlich zu reinigen.
Musste ein Juteseil stark durchnässt oder sogar vollständig gewaschen werden, würde ich es anschließend nicht ohne Weiteres wieder als tragendes Seil für Suspension verwenden.
Gerade bei Hängebondage sollte man an der falschen Stelle nicht sparen.
Ein neues Seil ist meistens günstiger als eine schlechte Erfahrung.
Bei Leinenhanf sieht die Sache etwas entspannter aus. Leinenhanf verträgt Feuchtigkeit grundsätzlich besser als Jute. Trotzdem sollte auch hier vollständiges Waschen nicht zur normalen Pflegeroutine gehören.
Wenn ein feuchtes Tuch ausreicht, ist das normalerweise die bessere Lösung. Ein vollständiges Waschen kann die Eigenschaften und auch die Belastbarkeit des Seils beeinflussen.
Wurde ein Leinenhanfseil nass, sollte es anschließend möglichst gerade beziehungsweise unter leichter Spannung an einem gut belüfteten Ort trocknen.
Und gib ihm Zeit.
Naturseile trocknen nicht nach Stundenplan. Je nach Stärke und Feuchtigkeit kann es durchaus mehrere Tage dauern, bis das Seil wirklich vollständig trocken ist.
POSH-Rope spielt nach anderen Regeln
Unsere POSH-Ropes bestehen aus Polyester und benötigen deshalb eine völlig andere Pflege als Jute oder Leinenhanf.
POSH-Rope kann bei Bedarf gewaschen werden. Ich empfehle eine schonende Handwäsche mit kaltem oder lauwarmem Wasser und einem milden Waschmittel. Anschließend gründlich ausspülen und vollständig an der Luft trocknen lassen.
Was POSH dagegen überhaupt nicht braucht, sind Öl und Wachs.
Und bitte auch nicht abflämmen.
Lötlampe und Polyester sind keine Freunde! 😉
Ölen, Wachsen und Abflämmen gehören ausschließlich zu entsprechend geeigneten Naturseilen.
Nur weil etwas bei Jute funktioniert, heißt das noch lange nicht, dass POSH auch Spaß daran hat. 😉
Die wichtigste Pflege kostet überhaupt nichts
Wenn man von Seilpflege spricht, denken viele zuerst an Öl, Wachs und irgendwelche Pflegeprodukte.
Für mich ist etwas anderes allerdings viel wichtiger:
Schau dir deine Seile regelmäßig an.
Nimm dir hin und wieder ein paar Minuten Zeit und lass das komplette Seil langsam durch deine Hände laufen.
Dabei spürst du häufig Veränderungen, die du beim schnellen Hinsehen überhaupt nicht erkennen würdest. Achte auf beschädigte Fasern, ungewöhnlich dünne Stellen, starken Abrieb, harte oder auffällig weiche Bereiche und natürlich auf die Endknoten.
Gerade bei Seilen, die für Suspension verwendet werden, sollte diese Kontrolle selbstverständlich sein.
Ein Bondage-Seil ist nun einmal ein Gebrauchsgegenstand – und Gebrauchsgegenstände halten nicht ewig.
Wie lange ein Seil verwendet werden kann, hängt stark davon ab, wie häufig und wie intensiv du es benutzt. Ein Seil, das gelegentlich für Bodenfesselungen verwendet wird, wird selbstverständlich anders beansprucht als eines, das regelmäßig bei Suspension zum Einsatz kommt.
Deshalb gilt für mich gerade bei tragenden Seilen:
Lieber einmal zu früh aussortieren als einmal zu spät.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass ein aussortiertes Seil sofort im Müll landen muss.
Je nach Zustand kannst du es beispielsweise noch für Knotentraining, Dekoration oder andere Anwendungen ohne Belastung verwenden.
Nur eben nicht mehr dort, wo du dich wirklich darauf verlassen musst.
Auch die Lagerung gehört zur Pflege
Naturseile mögen es trocken, sauber und einigermaßen luftig.
Wenn du deine Seile ordentlich ausdrehst und anschließend an einem trockenen Ort lagerst, musst du daraus keine Wissenschaft machen.
Vermeiden würde ich feuchte Kellerräume, direkte starke Sonneneinstrahlung, starke Wärmequellen und vor allem geschlossene Behälter, wenn das Seil noch Restfeuchtigkeit enthält.
Nach einer intensiveren Session darf dein Seil ruhig ein bisschen Pause bekommen.
Manchmal brauchen eben nicht nur die Beteiligten etwas Erholung. 😉
Und vielleicht als kleine Gedankenstütze:
Was in der Session feucht geworden ist, möchte danach nicht in Einzelhaft. 😉
Und wie sieht es mit Hygiene aus?
Bondage-Seile kommen zwangsläufig mit Haut und Schweiß in Kontakt.
Bei den eigenen Seilen und einem festen Partner lässt sich das meistens einfacher handhaben als beispielsweise bei wechselnden Personen, Workshops oder Veranstaltungen.
Naturseile lassen sich aufgrund ihrer Struktur nicht so unkompliziert reinigen wie synthetische Materialien. Deshalb lohnt es sich, sich bereits vorher Gedanken darüber zu machen, wie und von wem ein Seil verwendet wird.
Wenn Waschbarkeit und Hygiene besonders wichtig sind, kann ein synthetisches Seil wie unser POSH-Rope die praktischere Wahl sein.
Es gibt dabei nicht die eine perfekte Lösung für jede Situation.
Wichtig ist vielmehr, bewusst mit seinem Material umzugehen und im Zweifel lieber etwas vorsichtiger zu sein.
Mein Fazit
Sei lieb zu deinem Seil und pflege es ein bisschen wie deine Schuhe.
Lass es nach der Verwendung entspannen, kontrolliere es regelmäßig und gönne ihm bei Bedarf eine kleine Menge geeignete Pflege.
Ein gutes Naturseil entwickelt sich mit der Zeit. Es wird geschmeidiger, läuft schöner durch die Hände und bekommt genau den Charakter, den viele an einem gut benutzten Seil so mögen.
Natürlich hält auch das beste Bondage-Seil nicht ewig.
Je nachdem, wie häufig und intensiv du es verwendest, kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem es ersetzt werden sollte.
Aber bis dahin darf es arbeiten, altern, weicher werden und ein bisschen Persönlichkeit entwickeln.
Denn am Ende ist es wie so oft:
Wer gut fesselt, sollte auch gut pflegen. 😉
Euer Andreas